Die
Northrop YF-23 war ein Prototyp der Unternehmen Northrop, Grumman und McDonnell Douglas für das „Advanced Tactical Fighter“-Programm der United States Air Force (USAF), bei dem ein neues Kampfflugzeug als Ablösung der F-15C
Eagle gesucht wurde. Sie unterlag dem Konkurrenzmodell YF-22 des Unternehmenskonsortiums aus Lockheed Martin, General Dynamics und Boeing, das als F‑22
Raptor in Serie produziert wurde. Die YF-23 wird nach dem ersten Prototyp inoffiziell auch als
Black Widow II bezeichnet, obwohl die zweite Maschine intern als
Gray Ghost bekannt war.
Das Tactical Air Command (TAC; deutsch: Taktisches Luftkommando) der US Air Force finanzierte von 1969 bis 1970 die Studie U. S. Air Force Tactical Forces 1985 Study (TAC-85). Es galt, den verbesserten Fähigkeiten der Luftstreitkräfte der Sowjetunion zu begegnen. Das Ergebnis führte im Jahr 1971 zum Einsatzkonzept des Advanced Tactical Fighter (ATF, deutsch:
fortschrittliches taktisches Jagdflugzeug). Das Konzept war zu dieser
Zeit recht vage; um 1975 wurde für den Zeitraum von 1977 bis 1981 der
Bau zweier Prototypen beschlossen. Budgetäre Beschränkungen führten
jedoch zum Lightweight-Fighter-Programm, einem vom US‑Verteidigungsministerium
im Jahr 1974 ausgeschriebenen Konstruktionswettbewerb, der ein
kostengünstiges Flugzeug als Ersatz für einige ältere Typen in den
Beständen der USAF zum Ziel hatte. Daraus entwickelten sich die General Dynamics F-16 Fighting Falcon und die McDonnell Douglas F/A‑18 Hornet.
Im Jahr 1976 wurden die ersten Studien begonnen, welche sich mit der Verwendung von Tarnkappentechnik im Rahmen des Einsatzkonzepts Advanced Tactical Fighter (ATF) beschäftigten. Die Fähigkeit, ohne Nachbrenner mit Überschallgeschwindigkeit zu fliegen, wurde ebenfalls als wichtig angesehen. Im Jahr 1978 definierte die USAF zwei verschiedene Projekte: den Enhanced Tactical Fighter (ETF) und das Advanced Tactical Attack System
(ATAS). Die Technologie für den ETF sollte in kurzer Zeit zur Verfügung
stehen, das ATAS war als langfristiges Ziel gedacht. Der Schwerpunkt
lag dabei auf Luft-Boden-Fähigkeiten, da die F-15 und F-16 als
ausreichend für die Bekämpfung sowjetischer Kampfflugzeuge gesehen
wurden. Als die Sowjetunion die Modelle MiG-29 und MiG-31 des Herstellers Mikojan-Gurewitsch sowie die Su-27 des Herstellers Suchoi
in Dienst stellte, änderte die USAF ihre Zielausrichtung: das ETF wurde
gestrichen und ATAS als ATF bezeichnet. Es sollte als
Mehrzweckkampfflugzeug mit STOL-Eigenschaften sowohl Luft- als auch Bodenziele angreifen.
Im Juni 1981 veröffentlichte die Aeronautic Systems Division
(ASD) ein Request for Information (RFI) für ein ATF-Konzept, das RFI für
das Triebwerk folgte einen Monat später. Mit Boeing, Fairchild, General Dynamics, Grumman, Lockheed, McDonnell Douglas, Northrop, Rockwell und Vought bewarben sich neun Unternehmen für den Bau des
Flugwerks mitsamt der Betriebsausrüstung und drei Triebwerkshersteller für den Bau der
Triebwerksanlage.
In den nächsten vier Jahren nahmen die einzelnen Entwürfe Gestalt an.
Am Ende reichten sieben Unternehmen ihre Konzepte ein. Jedes der sieben
Unternehmen erhielt 1 Milliarde US-Dollar,
um sein Konzept weiter zu vertiefen. Der USAF war dabei weniger an
konkreten Plänen gelegen; vielmehr sollten die Methoden der Unternehmen
und die Technologie zur Erfüllung der ATF-Anforderungen entwickelt
werden. Im Oktober 1982 verlangte die USAF zusätzlich eine Supercruisefähigkeit von Mach
1,5. NATO-Kommandanten waren pessimistisch, ob die Militärbasen in
Mitteleuropa einen sowjetischen Angriff überstehen würden. Die
Beherrschung des Luftraumes würde dann von Luftwaffenstützpunkten in den
Beneluxländern oder dem Vereinigten Königreich
aus erfolgen. Die Fähigkeit, ohne Nachbrenner während der gesamten
Mission über feindlichem Gebiet mit Überschallgeschwindigkeit zu
fliegen, sollte die Verwundbarkeit durch feindliche SAM-Stellungen reduzieren und eine höhere Einsatzrate ermöglichen. STOL-Eigenschaften mit Schubumkehr
wurden ebenfalls als wichtig erachtet, um von beschädigten Flugplätzen
aus operieren zu können. Mitte 1983 wurde das ATF-Konzept als Luftüberlegenheitsjäger
neu ausgerichtet. Die Reichweite sollte bei gleicher Bewaffnung
erheblich über der einer F-15 liegen, um von weiter entfernten Basen aus
eingesetzt zu werden. Um ein Ausufern der Kosten zu vermeiden, setzte
die USAF ein Kosten- und Gewichtslimit. Ebenfalls 1983 beschäftigte sich
die USAF mit der Entwicklung der Triebwerke, da in diesem Bereich bereits negative Erfahrungen beim P&W-F100-Triebwerk für die F-15 vorlagen. General Electric und Pratt & Whitney
erhielten im Oktober desselben Jahres einen Auftrag über 200 Millionen
US-Dollar, um ein passendes Triebwerk zu entwerfen. Pratt & Whitney
entwickelte das XF119 auf Basis des PW5000, während General Electric das
GE37 XF120 weiterentwickelte, das mit einem variablen Nebenstromverhältnis (englisch Variable Cycle Engine) ausgestattet wurde.
Trotz der gleichen Aufgabe entwickelten die Firmen
unterschiedliche Konzepte, basierend auf den Anforderungen und zuvor von
ihnen bereits durchgeführten Studien und Entwicklungen. Die USAF
verlangte einen Radarerfassungsbereich von 240°. Da die USAF selbst
Studien durchführte und zu dem Schluss kam, dass Tarnkappentechnik
nunmehr eine Notwendigkeit sei, wurde das ursprüngliche Request for
Information (RFI) einige Monate vor der Demonstrations- und
Validierungsphase dahingehend angepasst. Ursprünglich sollten im Mai
1985 die Entwürfe der USAF präsentiert werden und die besten vier
Entwürfe sollten für die nachfolgende Demonstrations- und
Validierungsphase je 400 Millionen US-Dollar erhalten, um Prototypen zu
bauen. Aufgrund des Erfolges des Lightweight Fighter-Programmes
sollten nun nur zwei der Konzepte in die Demonstrations- und
Validierungsphase gelangen, dafür würden diese jeweils 700 Mio.
US-Dollar erhalten. Die USAF empfahl der Luftfahrtindustrie deshalb,
Teams zu bilden. Diese begannen daraufhin unverzüglich mit den
Verhandlungen. Im Juni 1986 unterzeichneten Boeing, Lockheed und General
Dynamics Vereinbarungen, zwei Monate später folgten Northrop und
McDonnell Douglas. Grumman und Rockwell blieben unabhängig und wurden
später von Northrop beziehungsweise Boeing übernommen. Im Oktober 1986
erhielten die Teams von Lockheed und Northrop 691 Mio. US-Dollar vom Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten für den Entwurf und die Konstruktion der ATF-Prototypen, die als YF-22 und YF-23 bezeichnet wurden.
Am Anfang der Demonstrationsphase lag meist das Team um Northrop
vorne. So hob die YF-23 am 27. August 1990 zu ihrem ersten 20-minütigen Jungfernflug
ab. Geflogen wurde sie von Northrops Cheftestpiloten Paul Metz. Weitere
Flüge fanden Mitte September statt, dabei wurde auch
Überschallgeschwindigkeit erreicht und die Luftbetankungsfähigkeit mit
einer KC-135 am 14. September demonstriert. Das Flugzeug verhielt sich
dabei so wie im Flugsimulator vorhergesagt. Die Supercruisefähigkeit
wurde beim fünften Flug demonstriert. Knapp einen Monat später, am 29.
September, hob auch die YF-22 mit Lockheeds Chefpilot Dave Furguson am
Steuer zu ihrem Jungfernflug ab. Beide Maschinen wurden vom GE YF120
angetrieben. Die zweite YF-22 startete am 30. Oktober und flog erstmals
mit dem P&W YF119. Der Erstflug der zweiten YF-23 erfolgte vier Tage
früher, am 26. Oktober. Das einzige Problem war dabei das rechte
Hauptfahrwerk, das erst nach wiederholtem Ein- und Ausfahren einrastete.
Bereits wenige Wochen später konnte auch Lockheeds Teams die
Supercruise-Fähigkeit ihrer Maschinen demonstrieren. Hinsichtlich der
Flugeigenschaften wurde bei Lockheed großer Wert auf Wendigkeit gelegt.
So wurden in den folgenden Monaten teils spektakuläre Manöver gezeigt,
die kein anderes Flugzeug zu dieser Zeit durchführen konnte,
beispielsweise 360°-Rollen bei einem Anstellwinkel von 60°, was auf die asymmetrisch gesteuerten 2D-Schubvektordüsen
zurückzuführen war. Unterdessen demonstrierte die YF-23 eine offizielle
Höchstgeschwindigkeit von Mach 1,8 und erflog Anstellwinkel bis zu 25°.
Beide Maschinen waren während der Erprobung Belastungen bis 7g
ausgesetzt. Obwohl beide Maschinen ohne Bordwaffen und Radar flogen,
demonstrierte Lockheed die Funktionsfähigkeit der Startanlagen für die
AIM-9- und AIM-120-Lenkwaffen, obwohl dies nicht von der Air Force
gefordert wurde. Diese verlangte allerdings noch während der
Erprobungsphase Konzepte für die Konstruktions- und
Fertigungsentwicklung, die dann am 2. Januar 1991 von den beiden Teams
abgegeben wurden.
Am 23. April 1991 gab die Air Force schließlich den Sieger der
Ausschreibung bekannt: Die YF-22 „Lightning II“ vom Team Lockheed. Der
ausschlaggebende Faktor für diese Entscheidung war die weiter
fortgeschrittene Entwicklung und die bessere Manövrierfähigkeit der
YF-22. Nur sie konnte dank Schubvektorsteuerung auch nach einem
Strömungsabriss noch kontrolliert fliegen, besaß ein weiter entwickeltes
Cockpit und hatte Flugkörperstarts demonstriert. Die YF-23 hatte mit
den nicht vollends ausgereiften Waffenaufhängungen zu kämpfen. Den
Triebwerkswettbewerb gewann Pratt & Whitney mit dem konservativeren
YF119.
Beide YF-23 wurden daraufhin ausgeschlachtet und in einem abgesperrten Bereich in der Edwards Air Force Base eingemottet. Die NASA plante, eines der Flugzeuge zum Test von Dehnungsmessstreifen zu verwenden, dies fand jedoch nicht statt. Die Flugzeuge standen dort fünf Jahre, bevor sie 1995 von drei Enthusiasten der Northrop Corporation zurück nach Hawthorne gebracht wurden. PAV-1 und PAV-2 wurden dort restauriert und an zwei Museen übergeben:
- PAV-1 (Black Widow II) kann heute im National Museum of the United States Air Force in Dayton besichtigt werden. Das Flugzeug steht dort im „Research and Development“-Hangar.
- PAV-2 (Gray Ghost) wurde im Western Museum of Flight
in Hawthorne ausgestellt. 2004 wurde es an Northrop Grumman zu
Ausstellungszwecken verliehen. Das Flugzeug wurde dann an seinen neuen
Platz im Museum am Flughafen von Torrance in Kalifornien gebracht.
Gerüchte über ein Revival,
wonach Northrop Grumman die YF-23 als Jagdbomber als Ersatz oder
Ergänzung für die F-15E Strike Eagle weiterentwickelt hätte, sind sehr
unwahrscheinlich, da das Flugzeug bereits als Prototyp mit den nicht
vollends ausgereiften Waffenaufhängungen stark zu kämpfen hatte. Auch
angesichts der naheliegenden Möglichkeit, eine FB-22 auf Basis der F-22 Raptor zu entwickeln, was kosteneffizienter wäre.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Northrop_YF-23
Video: YF 23 black widow II
Das Revell-Modell ist etwas alt und der Bausatz ist nicht sehr detailliert und einige Details sind völlig falsch. Ich musste also viel improvisieren, um die Cockpithaube, das Cockpit, die Waffenbucht, die Schaltanlagen, den Schleudersitz und die Auslaßdüsen zu detaillieren. Nicht alle Details konnten korrigiert werden und ich gab mein Bestes. . .
Im Maßstab 1/144 baute ich die ATF-23 ebenfalls - wobei zu bemerken ist, daß - obwohl der Bausatz etwa gleichalt wie der in 1/72 ist - daß dieser besser detailliert ist als "der größere Bruder" :