Die McDonnell XF-85 Goblin (dt.: Kobold) war ein US-amerikanisches Experimentalflugzeug. Sie war als Parasite Fighter eigens dafür konstruiert worden, vom Langstreckenbomber Convair B-36 aus zu operieren. Der Gedanke war, das kompakte Strahlflugzeug
im Bombenschacht der B-36 mitzuführen und im Falle eines Angriffs
gegnerischer Jagdflugzeuge in der Luft zu starten. Nach dem Einsatz
sollte es wieder vom Trägerflugzeug aufgenommen werden. Jedoch kam es
nicht zur Serienproduktion.
In den 1940er Jahren gab es Überlegungen, wie man einen effektiven
Begleitschutz für die B-36 stellen könnte. Die Reichweite des schweren Bombers war viel zu hoch, um über die ganze Strecke von Begleitjägern eskortiert zu werden, da zu dieser Zeit die Möglichkeiten zur Luftbetankung noch nicht entwickelt waren.
Man beschloss die Entwicklung eines Parasite Fighters. Dieses Konzept
war bereits in den 1930er Jahren in den USA erfolgreich mit Curtiss F9C-Doppeldeckern und Luftschiffen als Träger eingesetzt worden. Auch die Idee, an einem Starrflügelflugzeug anzudocken, war nicht neu. Zur Zeit der US-Luftschiffe gab es in der damaligen Sowjetunion im Sweno-Projekt
bereits erfolgreiche Einsätze mit bis zu fünf angedockten
Jägern/Jagdbombern an einem Trägerflugzeug. Das grundlegende Prinzip,
den Jäger in der Luft an ein Trapez ankuppeln zu lassen und ihn mit
diesem Trapez in das Trägerflugzeug ein- und auszufahren, sollte wieder
verwendet werden. Also musste das neue Flugzeug kompakt gebaut und mit
einklappbaren Tragflächen versehen werden.
Im März 1947 bekam die McDonnell Aircraft Corporation den Auftrag, zwei Versuchsflugzeuge unter der Bezeichnung XP-85 für die US Air Force
zu bauen. Des Weiteren sollten Vorrichtungen bzw. die nötigen
Umbaumaßnahmen an den B-36 ausgearbeitet werden, um eine XP-85
zusätzlich zur üblichen Bombenlast mitzuführen. Alternativ gab es auch
den Wunsch, drei XP-85 und keine Bombenlast aufzunehmen.
Das Ergebnis war ein kompaktes Düsenflugzeug mit konventionell gepfeilten Tragflächen. Drei kleine Seitenruder
bildeten eine Art „W“ am Heck. Ein eigenes Fahrwerk hatte der „Goblin“
nicht, allerdings hatte der Pilot die Möglichkeit, im Ernstfall mit
einem Schleudersitz auszusteigen. Für die spätere Serienproduktion gab es die Möglichkeit, vier Kaliber .50-Maschinengewehre zu installieren.
Im Zuge einer Bezeichnungsreform der US Air Force bekamen ab 1948
alle Jäger kein „P“ (für Pursuit: Verfolgung) mehr als Kennbuchstabe,
sondern ein „F“ (Fighter, sinngemäß: Jagdflugzeug). So wurde auch der
„Goblin“ in XF-85 umbenannt; jedoch ist bis heute auch die ursprüngliche
Bezeichnung XP-85 in verschiedenen Publikationen zu finden.
Der erste Prototyp (Seriennummer: 46-523) wurde bei Windkanal-Versuchen
beschädigt. So wurde der erste Flug am 23. August 1948 mit der zweiten
Maschine (46-524) durchgeführt. Als Trägerflugzeug während der Erprobung
diente eine B-29B-65-BA
(44-84111), speziell umgebaut und daher als EB-29B bezeichnet. Die
ersten Tests beinhalteten nur das Ein- und Ausfahren aus dem Bomber
sowie das Ausklappen der Tragflächen. Der wirkliche Erstflug
folgte am 28. August: Die XF-85 löste sich vom Träger und flog für etwa
15 Minuten frei. Beim Versuch, wieder anzudocken, geriet das leichte
Flugzeug in Turbulenzen, die der Bomber erzeugte. Der Pilot versuchte 10
Minuten vergeblich, sich einzuklinken, bis das Haltetrapez die
Cockpithaube zerschlug. Der „Goblin“ absolvierte eine Bauchlandung auf
der Edwards Air Force Base (damals noch „Muroc Army Air Force Base“). Der Pilot überlebte unverletzt.
Die Maschine wurde repariert und drei weitere Flüge zeigten, dass
diese Turbulenzen das Ankuppeln an den Bomber erschwerten; aber während
dieser Flüge gelang das Manöver. Beim fünften Testflug fehlte jedoch
eine aerodynamische Verkleidung am Andocktrapez. Die Turbulenzen waren
so stark, dass die XF-85 ganz außer Kontrolle geriet und erneut
notlanden musste. Um die Stabilität zu erhöhen, versah man die Maschine
mit kleinen vertikalen Flächen an den Tragflächenspitzen (Winglet)
und am 8. April 1949 schickte die Luftwaffe sogar den reparierten
ersten Prototyp auf seinen ersten und einzigen Flug. Als Resultat
mussten beide Maschinen wieder notgelandet werden, nachdem sie in
Turbulenzen beim Andockmanöver geraten waren.
Bei der US Air Force gelangte man zu der Erkenntnis, dass diese
Flugmanöver von einem durchschnittlich geschulten Piloten nicht zu
schaffen sind. Außerdem zweifelten die Verantwortlichen an der Fähigkeit
der XF-85, es im Ernstfall wirklich mit einem konventionellen
Kampfflugzeug aufnehmen zu können, obwohl die beteiligten Piloten der
Maschine gute Flugeigenschaften attestierten. Das Programm wurde am 24.
Oktober 1949 eingestellt.
Die XF-85 war nicht der letzte Versuch, einen Parasite Fighter zu etablieren. Für das FICON-Programm
konnten nützliche Erkenntnisse gewonnen werden. Die XF-85 gilt bis
heute als das kleinste je gebaute düsengetriebene Jagdflugzeug. Das
kleinste Düsenflugzeug überhaupt ist jedoch gemäß dem Guinness-Buch der Rekorde die Bede BD-5J Microjet.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/McDonnell_XF-85
Video: McDonnell XF-85 Goblin (1948)
Leider
ist dies nach einem fatalen Computercrash das einzig mir verbliebene
Foto dieses Modells. Es wird bei einem der nächsten Museumsbesuche, wo
dieses Modell ausgestellt ist, Abhilfe geschaffen.