Durch die Wiederbelebung der zivilen Luftfahrt in Deutschland nach 1955
gab es Bedarf für geeignete Schulflugzeuge. Auch bei der Siebel
Flugzeugwerke-ATG in Donauwörth besann man sich daher auf die Tradition
im Flugzeugbau. Bereits 1938 war mit der Siebel Si 202 Hummel eine erfolgreiche Konstruktion geglückt. So entschloss man sich 1956 zur Projektierung der Siebel Si 222 Super Hummel, aus der 1959 die SIAT 222
entwickelt wurde. Der Erstflug fand 1961 statt. Bei der abschließenden
Trudelerprobung kam der Testpilot und bekannte Kunstflugmeister Albert Falderbaum
ums Leben. Bei hinterer Schwerpunktlage konnte das Rückentrudeln nicht
beendet werden und beim Ausstieg blieb Falderbaum mit dem Fallschirm
hängen. Nach diesem Unfall wurde das Projekt gestoppt.
Die Siebel-ATG beteiligte sich 1960 an einem Wettbewerb um ein leichtes
Schulflugzeug, ausgeschrieben vom Bundesministerium für Wirtschaft. Der
Siebel-Entwurf SIAT 223, entwickelt aus der SIAT 222, gewann den
1. Preis. Im Jahr 1966 wurde die SIAT 223 erstmals als Attrappe auf der
Luftfahrtmesse in Hannover vorgestellt.

Das Flugzeug SIAT 223/K ist die erste deutsche Nachkriegsentwicklung, die eine Schulung in fast allen Kunstflugfiguren (zweisitzig) erlaubt. Der Erstflug der V1 mit dem Kennzeichen D-ECRO erfolgte am 1. März 1967 durch Herbert Plasa vom Flugplatz Laupheim. Entwickelt wurde das Flugzeug durch die Siebel Flugzeugwerke-ATG, einer Tochtergesellschaft der Waggon- und Maschinenbau GmbH Donauwörth (WMD), bei der seit 1965 die Bölkow GmbH Hauptgesellschafter war und die seit 1968 zum MBB-Konzern gehört (heute EADS). Die Musterzulassung wurde bereits im Juli 1968 erteilt und noch im gleichen Jahr begann die Serienfertigung.
Der Name Flamingo hat Tradition im Flugzeugbau bei MBB. Die Udet U 12
Flamingo, gebaut von den Bayerischen Flugzeugwerken (später umbenannt
in Messerschmitt AG) galt in den 1920er Jahren als eines der besten
deutschen Schulflugzeuge. Zunächst fertigte man von der SIAT 223 vier
Vorserienflugzeuge, die bei Lufthansa und Swissair
erprobt sowie auf in- und ausländischen Luftfahrtmessen gezeigt wurden.
Die Entwicklungskosten beliefen sich auf fast 5 Millionen DM. 1968
startete die Serienproduktion im Werk Laupheim. Von dem preisgekrönten
Schul-, Kunst- und Reiseflugzeug sollten in einer ersten Serie 125 Stück
gebaut werden. Bei der Flugerprobung der als Prototyp für die
Kunstflugversion mit Lycoming-AIO-360-A1A-
Motor gedachten V4 brach der Verstellmechanismus des Propellers, wobei
bei der folgenden Notlandung die Maschine irreparabel beschädigt wurde.
Für die Swissair-Flugschule in Hausen am Albis
wurden die ersten zehn SIAT 223 Flamingo mit der Werknummer 11 bis 20
produziert, wobei die letzte die erste serienmäßige Kunstflugversion K-1
war. Sie wurden 1983 bei Swissair ausgemustert und sechs flogen 2010
wieder mit einer deutschen Zulassung. 15 Maschinen in der
Kunstflugversion wurden an die türkische Luftwaffe
für die Anfängerschulung geliefert. Der Einführungspreis betrug damals
75.000,- DM. Sie wurden dort bis 1990 ausgemustert und bis auf drei
verschrottet. Die Lufthansa entschied sich nicht für die SIAT 223,
sondern bestellte die Beech Debonair. Man erhoffte sich auch die Bundeswehr als Kunden, die aber nicht von der Piaggio 149
wechseln wollte. Die Produktionskosten der SIAT 223 betrugen 125.000,-
DM pro Flugzeug, da man anstelle der geplanten 3.000 Arbeitsstunden
tatsächlich 9.000 Stunden benötigte. Die Flamingoproduktion wurde 1970
in Laupheim eingestellt und die Produktionsanlagen eingelagert. Durch
Vermittlung von Willy Messerschmitt wurde 1971 die Baulizenz durch die Flugzeug-Union Süd GmbH (FUS) an Hispano Aviacón vergeben und 1972 an die spanische CASA weitergereicht. Von 1972 bis 1974 übernahm diese in Sevilla die SIAT-223-Fertigung als CASA C-223 Flamingo. Aus dieser Produktion ging eine Flamingo an die spanische Luftwaffe, vier wurden zivil zugelassen und 45 gingen an die syrische Luftwaffe. Der Schweizer Flugzeughersteller Farner (Grenchen)
baute nach Übernahme der Lizenz durch MBB im Jahre 1975 ab 1977 weitere
17 Flamingo K-1 für Syrien. Eine angefangene Produktion für die Türkei
wurde nicht mehr fertiggestellt. Unter der Leitung von Biterolf
Essenfelder baute Fa. Farner 1979 eine Flamingo aus spanischer
Produktion (die erste in Spanien gebaute Maschine mit der Werksnummer
151, die 1974 einen Rollschaden erlitten hatte) auf einen
turboaufgeladenen Motor TO-360-C1A6D mit 154 kW und Dreiblattpropeller
um; es entstand die verbesserte Version 223T1. Der Erstflug der D-EFWC
erfolgte am 25. April 1979 in Grenchen durch Hermann Liese. 1986 wurde
in dieses Flugzeug dann ein Porsche-Flugmotor PFM 3200 (Erstflug am
16. April 1986) eingebaut und auf der ILA Hannover als MBB 223A-4 vorgestellt. Dieses Flugzeug steht heute nach der Schenkung im August 1992 in der Flugwerft Schleißheim.
Zu einer Serienfertigung der SIAT 223 kam es wegen zu geringer
Nachfrage nicht mehr. Insgesamt wurden 96 SIAT 223 gebaut, 29 in
Deutschland, 50 in Spanien und 17 in der Schweiz. Im Jahr 2009 flogen
noch acht Flamingo in Deutschland (2 V1, 1 K1, 5 A1), eine in Spanien
sowie einige in Syrien.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/SIAT_223_Flamingo
Video: SIAT 223A-1 Flamingo (Avion Terrestre) / MBB 223 Flamingo EC-XKV Teuge Airport 16&17-2-2019